Aktien, Anleihen, Gold: So positionieren sich Fondsmanager für 2026
Ein zentrales Diskussionsthema war erneut das Verhältnis von Aktien und Anleihen. In einer prominent besetzten Gesprächsrunde mit Jens Ehrhardt (DJE Kapital), Bert Flossbach (Flossbach von Storch) und Klaus Kaldemorgen (DWS) wurde deutlich, dass die Begeisterung für klassische Rentenpapiere aktuell eher begrenzt ist. Die Renditen von Unternehmensanleihen liegen laut den Experten nur wenig über denen von Staatsanleihen, sodass es schwierig ist, attraktive Zinspapiere zu finden. Jens Ehrhardt sprach offen davon, dass er Anleihen im vergangenen Jahr eher als Belastung empfunden habe und sie in seinen Portfolios vor allem als Liquiditätsersatz dienen. Auch Bert Flossbach sieht Anleihen eher als notwendiges Übel für defensive Mandate, nicht aber als attraktive Renditequelle. Klaus Kaldemorgen betonte zwar ihre stabilisierende Funktion in Mischfonds, sah jedoch keinen Anlass, Aktien zugunsten von Renten zu reduzieren. Das niedrige Zinsumfeld, insbesondere in den USA, wirke weiterhin unterstützend für Aktien und angesichts der hohen Staatsverschuldung sei nicht davon auszugehen, dass die Notenbanken dauerhaft restriktiv agieren können.
Entsprechend klar fiel die Kernbotschaft der Fondsmanager aus: Sachwerte bleiben langfristig attraktiv. Neben Aktien zählen dazu auch Infrastruktur, Rohstoffe und Gold. Jens Ehrhardt und Bert Flossbach sehen insbesondere außerhalb der USA Chancen. Europa könnte von niedrigeren Bewertungen profitieren, zumal staatliche Investitionen in Infrastruktur konjunkturelle Impulse setzen dürften. Die neue Verschuldungsbereitschaft Deutschlands wird dabei von vielen Marktteilnehmern als potenzieller Wachstumstreiber für die gesamte Region gesehen. Auch die Schwellenländer rücken stärker in den Fokus, da dort sowohl die Gewinnentwicklung als auch die Währungen zuletzt stabiler waren.
Für die USA bleibt das Bild differenziert. Zwar sorgen fiskalische Anreize, eine steigende Geldmenge und solide Gewinnerwartungen weiterhin für Unterstützung, wie Jens Ehrhardt in seinem Vortrag ausführte. Gleichzeitig sind die Bewertungen hoch, insbesondere bei den sogenannten „Magnificent Seven“ (Apple, Microsoft, Alphabet, Amazon, Nvidia, Meta und Tesla), die in den vergangenen Jahren einen Großteil der Indexperformance, etwa im MSCI World und S&P500, getragen haben. Investitionen der großen Technologie- und Cloud-Konzerne in künstliche Intelligenz werden derzeit noch aus dem laufenden Cashflow finanziert, weshalb weder Jens Ehrhardt noch andere Referenten von einer akuten KI-Blase sprechen. Dennoch wächst die Sensibilität für Enttäuschungen, sollten die Investitionen langsamer zu steigenden Umsätzen und Gewinnen führen als erhofft.
Carsten Roemheld von Fidelity ordnete diese Entwicklungen in einen größeren geopolitischen und wirtschaftlichen Kontext ein. Er sprach von einer „Zeitenwende“ an den Kapitalmärkten, die sich weniger in einzelnen Schlagzeilen, sondern vielmehr in langfristigen Verschiebungen zeigt. Die Vormachtstellung der USA an den Aktienmärkten könnte ihren Höhepunkt überschritten haben, nicht zuletzt wegen politischer Eingriffe, hoher Bewertungen und eines schwächeren Dollars aus europäischer Sicht. Roemheld rechnet damit, dass künftig mehr Kapital nach Europa und Asien fließen wird. Gerade Asien ist gemessen an seiner wirtschaftlichen Bedeutung im globalen Aktienmarkt noch deutlich unterrepräsentiert und könnte langfristig an Gewicht gewinnen.
Auch Goldman Sachs Asset Management blickt konstruktiv auf das Börsenjahr 2026. Chefstratege James Ashley sieht eine seltene Kombination aus fiskalischen Impulsen und einer lockereren Geldpolitik, die den Aktienmärkten Rückenwind verleihen dürfte. Gleichzeitig befindet sich die Weltwirtschaft in einem strukturellen Wandel: Unternehmen orientieren sich weg von maximaler Effizienz hin zu mehr Stabilität, sichern Lieferketten ab und investieren massiv in Energie und Digitalisierung. Diese Entwicklung erfordert hohe Investitionen und kann kurzfristig die Inflation erhöhen, schafft aber langfristig neue Wachstumsfelder. Vor diesem Hintergrund bleibt ein Umfeld etwas höherer Zinsen durchaus realistisch.
Ein weiteres viel diskutiertes Thema war Gold. Während sich der Goldpreis in den vergangenen Jahren sehr stark entwickelt hat, mahnten mehrere Referenten zur Vorsicht. Gold kann als strategische Beimischung sinnvoll sein, erfordert aber regelmäßiges Rebalancing, um nicht ungewollt zu große Portfoliogewichte anzunehmen. Einigkeit bestand darin, dass Gold langfristig weiter Potenzial hat, Anleger sich jedoch auf zwischenzeitliche Schwankungen einstellen müssen. Goldaktien werden von einigen Managern sogar als besonders interessant eingeschätzt, da sie von steigenden Preisen überproportional profitieren können.
Den wohl eindringlichsten Appell formulierte Timo Carstensen von Barmenia Gothaer Asset Management: Diversifikation ist kein Selbstläufer. Viele Anleger sind über Indizes wie den MSCI World stark auf US-Großkonzerne und Technologiewerte konzentriert, ohne sich der damit verbundenen Klumpenrisiken bewusst zu sein. Historische Beispiele wie die Dotcom-Blase zeigen, dass Marktführerschaft nicht dauerhaft garantiert ist. Die Gewinner von heute sind nicht zwangsläufig die Gewinner von morgen. Eine breitere Streuung über Regionen, Sektoren und Anlagestile hinweg kann helfen, Risiken zu reduzieren und langfristig stabilere Erträge zu erzielen. Beispiele der Marktexperten waren hierzu eine stärkere Gewichtung von Europa, Asien, gleichgewichteten Ansätzen und Value-/Substanzwerten.
Das Fazit des Fondskongresses in Mannheim fällt damit klar aus: Die Aussichten für Aktien im Jahr 2026 sind insgesamt positiv, getragen von Liquidität und staatlichen Investitionen. Gleichzeitig nehmen die Risiken zu. Durch hohe Bewertungen, geopolitische Unsicherheiten und eine starke Marktposition einzelner Themen und Regionen. Gerade deshalb bleibt Diversifikation der entscheidende Schlüssel für einen robusten Vermögensaufbau. Wer sein Portfolio breit aufstellt, regelmäßig überprüft und nicht einseitig auf wenige Gewinner setzt, erhöht die Chancen, auch in einem anspruchsvollen Marktumfeld langfristig erfolgreich zu investieren.
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Copyright / Quelle / Zuerst erschienen bei: www.netfonds.de
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